Venedig im Dezember – wenn die Stadt leiser wird

Hi Ihr Lieben,

Venedig kenne ich gut – dachte ich zumindest. Doch der Dezember zeigt die Stadt von einer anderen Seite, leiser und zurückhaltender. Nebel liegt über den Kanälen, feuchte Kälte zieht durch die Gassen, dann wieder bricht die Sonne durch und taucht Fassaden und Wasser in ein ganz eigenes, winterliches Licht.

Es ist ein Venedig fernab der üblichen Kulissen – mit einem Hauch Donna-Leon-Feeling, irgendwo zwischen Commissario Brunetti und dem leisen Knirschen der Schritte auf feuchtem Stein. All das machte diesen Aufenthalt zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Eine Stadt, dem Wasser abgerungen

Venedig ist keine gewachsene Stadt im klassischen Sinn, sondern eine Idee, dem Wasser abgerungen. Eine Stadt, die einzigartig ist. Weder Kriege noch Pest, weder ökonomische Krisen noch ökologische Bedrohungen konnten ihren Willen brechen. Bis heute ist Venedig ein Sehnsuchtsort ohnegleichen.

Ihre Ursprünge reichen bis in die Spätantike zurück, als Menschen vor den Wirren der Völkerwanderung in die Lagune flohen. Auf Holzpfählen errichtet, zwischen Inseln und Kanälen, entwickelte sich hier Schritt für Schritt eine einzigartige Stadtkultur – unabhängig, handelstüchtig und über Jahrhunderte erstaunlich stabil.

Lagune zwischen Land und Wasser

Die Lagune selbst ist von Natur aus uneindeutig: weder Land noch Wasser. Sie erstreckt sich über rund 56 Kilometer Länge und bis zu 11 Kilometer Breite und erinnert in ihrer Form an einen Halbmond. Dieses Gebiet war zu allen Zeiten bewohnt, denn selbst die scheinbare Wildnis konnte fruchtbar und lebensspendend sein.

Kirchen als stille Erzähler

Für uns hatten die Kirchen Venedigs stehts eine besondere Anziehungskraft – wegen ihrer Fresken, Gemälde und Skulpturen. Sie erzählen die Geschichte dieser Stadt auf eine ganz eigene, stille und eindringliche Weise.

Die Basilica di San Marco, der Markusdom mit seinen byzantinischen Kuppeln und goldenen Mosaiken steht sinnbildlich für den Reichtum und die weltläufige Macht der Republik Venedig. Die römisch-katholische Kirche am Markusplatz wurde zwischen 829 und 1094 erbaut, dem Evangelisten Markus geweiht, war bis 1797 Staatseigentum der Republik und ist seit 1807 die Kathedrale von Venedig. Zusammen mit dem freistehenden Markusturm und dem angrenzenden Dogenpalast bildet sie ein architektonisches Ensemble mit besonderer Ausstrahlung.

Im historischen Zentrum gibt es rund 90 Kirchen, mit den Laguneninseln sogar 160. Nahezu jede beherbergt bedeutende Kunstschätze: Werke von Tizian, Tintoretto, Bellini oder Veronese – Kunst als selbstverständlicher Teil von Alltag und Glauben.

Auf unserem winterlichen Kurztrip konnten wir natürlich nur einige, zuvor ausgewählte Kirchen besuchen. Immer wieder beindruckten uns die Innenräume, die Gemälde und Skulpturen.

In der Basilika Santa Maria Gloriosa dei Frari, dem größten Sakralbau Venedigs, befinden sich zahlreiche herausragende Kunstwerke, darunter zwei Hauptwerke von Tizian, sowie zahlreiche Grabmonumente berühmter Venezianer – auch Tizians Grabstelle. Die Kirche erhielt 1926 den Ehrentitel einer päpstlichen Basilica minor. Leider war die Basilika auch diesmal geschlossen. (Innenfotos: Wikipedia)

Die Basilika dei Ss Giovanni e Paolo ist der größte gotische Sakralbau und besticht durch ihren eindrucksvollen Innenraum, sowie durch ein außergewöhnliches Museum direkt nebenan, das Werke von Tintorettos Sohn zeigt.

Die Kirche der Heiligen Gervasius und Protasius, besser bekannt als Chiesa di San Trovaso, zählt mit zu den ältesten Gründungen der Stadt. Sie wurde viermal wieder aufgebaut und besitzt daher zwei Fassaden. Beide Eingänge eröffnen einen beeindruckenden Blick ins Innere – unter anderem auf Tintorettos “ Die Hochzeit zu Kana“.

Venedig ist tatsächlich eine Stadt mit außergewöhnlich vielen Abendmahldarstellungen, geprägt durch Meister wie Tizian, Tintoretto, Veronese oder Bellini.

Kunst, Raum und Architektur

Besonders ist Venedig jedoch nicht nur wegen seiner Kirchen, sondern auch wegen seiner wunderbaren Architektur. Der Platz war begrenzt – lediglich etwa 5 x 7 Kilometer standen als Baugrund zur Verfügung. Weltweit gibt es kaum eine andere Stadt mit einer derart hohen Konzentration historisch bedeutender Bausubstanz. Kein Zufall also, dass hier seit 1975 im Wechsel mit der Kunstbiennale die Architekturbiennale Venezia stattfindet.

Untrennbar mit dieser Architektur verbunden sind die Brücken, die Venedig wie ein feines Netz zusammenhalten. Während die Rialtobrücke, als älteste und berühmteste Querung des Canale Grande, vom Handel und der Geschichte der Stadt erzählt und die Seufzerbrücke von Macht und Vergänglichkeit, eröffnet die Holzbrücke von Miozzi – die Ponte dell‘ Accademia – einen fantastischen Ausblick auf die Kirche Santa Maria della Salute.

Kirchen und Architektur sind die eine Seite Venedigs. Doch am eindrucksvollsten ist – besonders im Winter – die Atmosphäre: Licht und Wasser, Spiegelungen, Stille und Verfall liegen hier dicht beieinander. Eine Stadt, die weniger erklärt werden will, als vielmehr betrachtet, erlebt und gefühlt.

Wo die Stille bleibt

So ging es mir dieses Mal ganz besonders: wenige Touristen, keine Hektik, ein besonderes Licht und eine wohltuende Stille.

Dieser Besuch war nur ein winzig kleiner Ausschnitt, ein kurzer Moment in einer Stadt voller Geschichten. Doch manchmal sind es gerade diese Begegnungen, die am längsten nachklingen.

Ich hoffe, Ihr hattet Freude an diesem kleinen Einblick.

Dann bleibt mir gewogen bis zum nächsten Mal

Quellenangabe:

Wikipedia:

2 Innenfotos der Basilika Santa Maria Gloriosa

Karte von Venedig

Ein Kommentar

  1. Danke liebe Dagmar. Du schreibst es so schön, da hat man das Gefühl dabei zu sein.
    Auch sehr eindrucksvolle Bilder hast du uns mitgebracht. Meine Begeisterung hast du, für diese wunderbare Stadt, geweckt. Petra

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